Großbrand in 100 Jahre alter Villa - Feuerwehr 31 Stunden im Einsatz

In Herdecke stand am Morgen des 02.12.2016 eine rund 100 Jahre alte Villa in Vollbrand. Die gegen 7:30 Uhr ersteintreffenden Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Herdecke fanden zwar mehrere Personen vor dem Gebäude vor, mussten jedoch noch drei Menschen aus dem Gebäude retten. Insgesamt wurden bei dem Brand zehn Personen verletzt, vier davon mittelschwer. Sie wurden in Krankenhäusern versorgt. Der Sachschaden belief sich nach ersten Schätzungen der Feuerwehr auf rund eine Millionen Euro.

Aufgrund der alten Gebäudestruktur breitete sich das Feuer in dem als Augenarztpraxis und Wohnhaus genutzten Gebäude rasant aus. Die Feuerwehr war daher mit rund 100 Kräften von Feuerwehren aus dem gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis und aus Dortmund im Einsatz, um die Nachbargebäude vor den Flammen zu schützen. Zeitweise wurden dazu rund 6000 Liter Wasser in der Minute eingesetzt. Diese wurden über die Löschmonitore (Wenderohre) von zwei Drehleitern sowie über mehrere Wasserwerfer und Löschrohre (B- und C-Rohre) von allen Seiten auf das Gebäude geworfen.

Anwohner im Bereich der Herdecker Innenstadt wurden aufgefordert, vorsichtshalber Fenster und Türen geschlossen zu halten, da von dem Brand eine enorme Rauchwolke ausging. Dazu wurde erstmals in Herdecke auf die Katastrophenschutz-Warnapp NINA eingesetzt, die Smartphonebenutzern eine Mitteilung auf das Handy sendet. Die Einsatzleitung setzte zudem Spezialkräfte der Analytischen Task Force der Feuerwehr Dortmund mit Messfahrzeugen ein, um die Schadstoffbelastungen zu überwachen und notfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen. Die Messergebnisse zeigten jedoch, dass für die Bevölkerung keine Gefahr bestand. Die Konzentration der Schadstoffe blieb während der Messungen dauerhaft, weit unterhalb der Gefahrengrenze.

Der Feuerschutz für das Herdecker Stadtgebiet wurde während des laufenden Einsatzes von der Feuerwehr Witten sichergestellt, die an der Herdecker Wache in Bereitstellung gegangen war. Diese Kräfte mussten zu mehreren Einsätzen, darunter einem Chlorgasalarm im Herdecker Freibad, ausrücken.

Gegen Mittag war der Großbrand weitestgehend gelöscht. Es begannen dann umfangreiche Nachlöscharbeiten in dem alten und verwinkelten Gebäude. Die Rauchentwicklung hatte stark abgenommen, lediglich noch eine Geruchsentwicklung im Stadtgebiet war noch wahrnehmbar. Die Warnung, Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich in Gebäuden aufzuhalten, wurde dann aufgehoben. Erste überörtliche Feuerwehrkräfte rückten bereits ein. Die Löscharbeiten zogen sich jedoch noch lange hin.

Die ganze Nacht über hielten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Feuerwehr Brandwache am Objekt. Immer wieder flammten kleinere Glutnester auf. Teilweise standen ganze Sofas in Vollbrand. In den frühen Morgenstunden wurde daher ein Schaumteppich über Teile des Dachstuhls gelegt.

Da jedoch nicht alle Bereich des Dachstuhls zugänglich waren, wurde wieder Unterstützung von der Feuerwehr Dortmund vor Ort. Diese sollte mit einem 54 m hohen Teleskopmastfahrzeug die Löschmaßnahmen unterstützen. Die Einsatzleitung erhofft sich dadurch, auch die letzten Glutnester ablöschen zu können, die mit normalen Drehleiterfahrzeugen nicht erreichbar waren. Aufgrund der Einsturzgefahr der Decken konnte das Gebäude in Teilen nicht mehr von den Feuerwehrleuten betreten werden. Zu diesem Zeitpunkt, rund 27 Stunden nach Brandausbruch, waren wieder 20 Einsatzkräfte mit zwei Löschfahrzeugen, dem Teleskopmastfahrzeug und einem Lastwagen zum Schaumtransport (WLF mit AB-Schaum) an der Brandstelle eingesetzt.

Das Teleskopmastfahrzeug der Feuerwehr Dortmund konnte an der Einsatzstelle aufgrund der Hanglage leider nicht aufgestellt werden. Um auch letzte Glutnester zu bekämpfen, musste daher ein Schaumteppich über das gesamt ausgebrannte Gebäude gelegt werden. Gegen 14 Uhr am Folgetag war der Großbrand dann schließlich endgültig gelöscht. Die Brandruine wurde danach von der Polizei beschlagnahmt. Aufgrund des massiven Einsatzes von Löschschaum war auch noch die untere Wasserbehörde vor Ort.

Der Einsatz dauerte insgesamt fast 31 Stunden. An den Löschmaßnahmen waren die Feuerwehren aus Herdecke, Wetter, Witten, Sprockhövel und Dortmund sowie Einheiten des Ennepe-Ruhr-Kreises. Sie wurden vom DRK, der JUH, dem THW sowie dem Rettungsdienst des Kreises unterstützt. Die Polizei war zusammen mit dem Ordnungsamt und den Technischen Betrieben der Stadt im Einsatz, um die Brandort abzusperren. Herdeckes Bürgermeisterin Dr. Strauss-Köster informierte sich vor Ort über die Löschmaßnahmen und dankte den Einsatzkräften.

Auch Bürger und Einzelhändler zeigten Engagement. Sie versorgten die Brandschützer vor Ort mit vielen Kleinigkeiten und boten Verpflegung an. Die Feuerwehr bedankte sich über die lokale Presse bei den Mitbürgern für die Hilfsbereitschaft.

Als Brandursache ermittelte die Staatsanwaltschaft schließlich einen technischen Defekt an einem Kühlschrank.